Gelingender Dialog im Kloster
15. November 2016

Im Oktober 2016 fand Wertvolle Führung erstmalig im Kloster Marienstatt im Westerwald statt. Diesmal beschäftigte die Führungskräfte die Frage wie Kommunikation auch in schwierigen Gesprächssituationen gelingen kann. Besonders hilfreich war dabei der Kommunikationsleitfaden der vier Schritte im Dialog. Mit ihm wurden schwierige Gespräche zum Dialog auf Augenhöhe.

Als Einstieg in den Aufenthalt im Kloster Marienstatt diente ein Video, dass die Historie und die Gepflogenheiten des Klosters in kurzer und anschaulicher Form vorstellte. Das Seminar fand dann im barocken Tafelsaal im Obergeschoss des Konvents statt.

Als Einstieg in das Thema Kommunikation wurde ein Bibeltext genutzt. Es ging um die Szene in der eine Prostituierte gesteinigt werden soll. In dieser Situation führt Jesus mit der Aufforderung „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“ die aufgebrachte Menschenmenge in die Selbstreflektion und entschärft damit die Situation. Die Kommunikation kann man dabei auf mehreren Ebenen interpretieren. Neben der eigentlichen Kommunikation zwischen der Menschenmenge und Jesus gibt es auch die nonverbale Kommunikation zwischen ihm und den Gesetzeslehrern. Jesus wird von ihnen herausgefordert. Er nimmt die Provokation wahr aber nicht an. Er verzichtet darauf aus der Emotion heraus zu antworten. Jesus nimmt sich einen Moment Zeit, kommt zur Ruhe und spiegelt die negative Grundhaltung der Herausforderer.

Anweisung und Dialog im Kloster

Nach dem Mittagessen konnten die Teilnehmer die Landschaft im Nistertal genießen. Das Kloster Marienstatt liegt an zahlreichen Wanderwegen in die nähere Umgebung. Bei einem Partnerspaziergang kamen die Teilnehmer erst schweigend zur Ruhe und vertieften dann im Gespräch ihre Erfahrungen mit gelingender und misslingender Kommunikation.

Dialog und Anweisung im Kloster
Die Teilnehmer unterscheiden Dialog und Anweisung

Darauf aufbauend wurden die Konzepte von Anweisung und Dialog unterschieden. Im Alltagsgebrauch werden beide Kommunikationsmodi oft kombiniert. Dies führt schnell zu Missverständnissen und Unklarheiten. Die Anweisung erfolgt direkt und konkret, sie ist an Hierarchien gebunden und sehr effizient. Der Dialog eröffnet einen Raum für Neues. Er ist am Standpunkt des Partners interessiert und ermöglicht Begegnung auf Augenhöhe. Beides hat im Arbeitsalltag seinen Platz. Wichtig ist zu wissen welche Art der Kommunikation in welcher Situation die richtige ist. Ein Dialogangebot, wenn man eigentlich eine Anweisung erteilen möchte und eine Anweisung, wenn der Dialog sinnvoller wäre führen zu Unklarheit und Frust.

Beim Abendessen im Kloster stieß Gästepater Dominikus zu uns an den Tisch. Er bereicherte unsere Gespräche durch seine persönliche Sicht auf das Thema Kommunikation. Pater Dominikus gab Einblicke in die Herausforderungen die auch in einer klösterlichen Gemeinschaft mit der Frage nach Dialog und Anweisung verbunden sind. Der Abt ist in der Regel des heiligen Benedikt dazu angehalten bei wichtigen Entscheidungen den Dialog zu suchen. Dabei wird er explizit aufgefordert sowohl die erfahrenen als auch die jüngeren Brüder einzubeziehen. In Geist und Magen gesättigt, konnte zum Tagesausklang ein im Kloster gebrautes Bier in der Klostergaststätte verköstigt werden.

Die vier Schritte des gelingenden Dialogs

Vier Schritte im DialogDer zweite Tag im Kloster stand im Zeichen der vier Schritte eines gelingenden Dialogs auf Basis des Modells der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall Rosenberg. Die Teilnehmer lernten das Modell kennen, übten es ein und übertrugen eigene Herausforderungen in der Kommunikation darauf. Im Anschluss vertieften sie das Gelernte im Rollenspiel mit Video-Feedback.

Am Ende des Tages waren sich alle einig: Es hatte sich wieder gelohnt sich zwei Tage Zeit im Kloster zu gönnen. Die Teilnehmer verließen das Seminar mit konkreten Ansätzen, um ihre Kommunikation zu verbessern. Sie nehmen mehr Mut zur Anweisung, die vier Schritte des Dialogs zur Lösungsfindung, die Schilderung eigener Bedürfnisse und die Klarheit über eigene Emotionen und Wünsche in ihren Arbeitsalltag mit.

Auch im Kloster Marienstatt hatte es allen gut gefallen. Für das nächste Seminar soll dieses Kloster wieder als Ort gewählt werden. Das Seminar soll auch wieder eine Übernachtung mehr beinhalten. So kann man besser ankommen und die Ruhe im Kloster genießen.

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3 comments

  1. Das Seminar bietet eine neue Sicht für Kommunikation die so im Tagesgeschäft schwer erreichbar ist.
    Man spürt bei der Vermittlung der Inhalte die Leidenschaft mit der individuell auf die Teilnehmer eingegangen wird. Eine Übertragung in die berufliche Praxis steht absolut im Vordergrund. Der Fokus wird auf das Wesentliche gelenkt. Ein in sich rundes Konzept.

  2. Ich fand das Seminar „Wertvolle Führung“ sehr praxisnah. Es ermöglichte mir, Erfahrungen meines Berufsalltages zu reflektieren und Intentionen und Ebenen von Gesprächen besser zu verstehen. Gut war der Austausch und die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen Gesprächssituationen zu üben und konstruktive Rückmeldungen zu bekommen.

  3. Herr Uhl ist in der Lage die Kursteilnehmer in seinen Bann zu ziehen. Es ist immer wieder erfrischend wie gut sich die Kursteilnehmer, selbst nach kurzer Zeit, zusammenfinden. Ich kann das Coaching mit sehr guten Erfahrungen weiter empfehlen. Ich selbst werde wieder am nächsten Coaching teilnehmen.